Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben
Laut einem Medienbericht hat ein Hund am Samstag, 4. Juli, in Ilmenau einen Artgenossen attackiert. Eine Frau war mit ihrer kleinen Hündin Pia in der Langgasse spazieren, als sie auf das angeleinte Tier trafen. Die Aufforderung an den Halter, mit seinem Hund stehen zu bleiben, habe er ignoriert. Plötzlich habe sich der Vierbeiner von der Leine gerissen, seine Artgenossin gebissen, sie geschüttelt und ihr Fell und Fleisch vom Rücken abgerissen. Pia wurde umgehend in eine Tierklinik nach Leipzig gebracht, um die 30 mal 30 Zentimeter große Fleischwunde zu versorgen. Seitdem wird die zehnjährige Hündin künstlich ernährt, ist aber bei Bewusstsein und könne vermutlich am Montag aus der Klinik entlassen werden. Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Landesregierung in Thüringen auf, den sogenannten Hundeführerschein einzuführen.
„Solche Situationen entstehen, weil grundlegendes Wissen über Hundeverhalten, Körpersprache und Verantwortung fehlt. Das Problem sind nicht die Hunde selbst, sondern mangelnde Kenntnisse aufseiten der Menschen. Ein Hundeführerschein ist längst überfällig. Er würde Halterinnen und Haltern die richtigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, um solche Vorfälle zu vermeiden“, so Björn Thun, Fachreferent bei PETA. „Egal, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann für Mensch und Tier gefährlich werden.“
Bereits wenige Tage zuvor soll derselbe Hund einen anderen Artgenossen schwer verletzt haben. Das Ordnungsamt bestätigte laut Medienbericht, dass es sich in beiden Fällen um dasselbe Tier handelt. Der Halter habe beide Vorfälle vollumfänglich eingeräumt. Dem Halter wurde eine behördliche Maulkorb- und Leinenpflicht auferlegt.
Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.
Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran
Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Seit 1. Juli 2026 ist auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wurde zum 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.
Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
