Zum Auftritt gezwungen: „Melody’s Circusland“ (ehemals „Melody’s Streichelzoo”) gastiert ab Samstag in Rheinbach. PETA kritisiert die gewaltvolle Dressur und den ausbeuterischen Umgang mit Großkatzen. Wiederholt missbrauchte das Unternehmen Tigerbabys für Fotoshootings und Streichelaktionen. [1, 2] Auch die Zucht und den Handel mit Tigern durch den Dompteur Robano Kübler und andere Zirkusunternehmen lehnt die Tierschutzorganisation entschieden ab. Die mit solchen Tigershows verbundene Gefahr zeigte sich erst kürzlich: Ein entlaufenes Tier der Dompteurin Carmen Zander verletzte in Dölzig im Mai einen Mann schwer. Die Polizei tötete die Großkatze. An die Bundesregierung appelliert PETA eindringlich, Zucht, Handel und Zurschaustellung von Wildtieren in Zirkussen zu verbieten.
„Dass ein Zirkus mit Tigern durch deutsche Städte tourt, ist kein harmloses Familienvergnügen. Bei Melody’s Circusland werden schon Tigerbabys für Fotoshootings und andere Veranstaltungen missbraucht und anschließend verkauft”, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Kommunen und Bundespolitik dürfen nicht länger tatenlos zusehen. Es braucht dringend einen Zuchtstopp und ein gesetzliches Verbot von Tierdressuren im Zirkus. Darüber hinaus bitten wir alle Menschen, das Tierleid nicht durch einen Besuch des Gastspiels in Rheinbach zu unterstützen.”
Ein Auskunftsersuchen beim Landkreis Kleve zeigte, dass Tigerdompteur Robano Kübler in seinem Kerkener Zirkusquartier zwischen 2018 und Ende 2024 insgesamt 14 Tiger züchtete. Zwölf von ihnen überlebten. Zehn dieser Tiere wurden zwischen 2020 und 2023 abgegeben oder verkauft – darunter ein Tier nach Sachsen und vier nach Polen in Privathaltungen. Zwei Tiger gelangten in nicht näher spezifizierte „gewerbliche“ Haltungen in Sachsen-Anhalt und Belgien. Dazu können Zoos, Zirkusse oder Tierhändler gehören. Bei drei weiteren Tieren ist der Empfänger laut Behörde unbekannt.
Missbrauch schutzbedürftiger Tigerbabys bei Dompteur Kübler
Robano Kübler zog mehrfach Tigerkinder mit der Flasche auf und gab teilweise an, sie seien von der Mutter verstoßen worden. [1] Außerdem ist er bekannt dafür, private Fotoshootings und „Interaktionen“ anzubieten – sowohl mit erwachsenen Tieren als auch mit nur wenige Wochen oder Monate alten Tigerbabys. [1,2] Er hat zudem Tiger für Videodrehs zur Verfügung gestellt. Derartige „Attraktionen“ sind nach PETAs Einschätzung nicht nur aus Tierschutzsicht verwerflich, sondern auch gefährlich für alle Beteiligten. Im April 2023 musste „Melody’s Streichelzoo“ ein Gastspiel unterbrechen. Die Zirkusbetreiber hatten gegenüber der Stadt Neuss verschwiegen, dass auch Wildtiere zu ihrem „Veranstaltungsangebot“ gehören. [3] „Melody’s Streichelzoo“ tourt inzwischen unter dem Namen „Melody’s Circusland“.
Großkatzen leiden in Zirkussen
Um die Dressur zu vereinfachen, werden in Zirkusbetrieben geborene Tiger oft schon als Babys von der Mutter getrennt und per Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt. Auffällig häufig behaupten Zirkusse, die Jungtiere seien von der Mutter verstoßen worden oder sie habe zu wenig Milch gehabt. Doch selbst wenn die Tigermütter ihren Nachwuchs tatsächlich ablehnen würden, wäre dies ein deutliches Anzeichen für eine nicht tiergerechte Haltung und eine haltungsbedingte Verhaltensstörung. [4]
Qualzucht von weißen Großkatzen
Unter den Tigern in „Melody’s Circusland“ befinden sich auch Tiere mit weißer Fellfarbe, die in der Branche als besonders „attraktiv“ gelten und daher zu hohen Preisen gehandelt werden. Weiße Tiger sind jedoch keine eigene Art. Die Zucht weißer Großkatzen in Gefangenschaft wird auf die gezielte Verpaarung von nur wenigen, teils verwandten Tieren zurückgeführt. Als Resultat der extremen Inzucht weisen die Nachkommen häufig schwere genetische Defekte auf. Daher verurteilen auch die Zoodachverbände in Europa (EAZA) [5], den USA (AZA) [6] und Australasien (ZAAA) [7] die Nachzucht weißer Großkatzen.

Dieses und weitere Fotos stehen Ihnen für die redaktionelle Berichterstattung hier zum Download zur Verfügung.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
