Nach 36-jähriger Zoo-Gefangenschaft: Eisbärin Larissa in Neumünster gestorben – PETA fordert Ende der Eisbärenhaltung

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Unschuldig hinter Gittern bis zum Tod: Am vergangenen Freitag ist Eisbärin Larissa im Tierpark Neumünster gestorben. Sie galt mit 36 Jahren als älteste Eisbärin der Welt. 1990 wurde sie in Rotterdam geboren, anschließend an die Zoos in Paris, Stuttgart und Karlsruhe weitergereicht, bis sie 2017 nach Neumünster gelangte. Wie viele Eisbären in Gefangenschaft zeigte auch sie Verhaltensstereotypien: In einem 2022 von PETA veröffentlichten Video ist zu sehen, wie sie am Beckenrand immer wieder ziellos wenige Meter auf und ab läuft. Auch ihr Partner Vitus schwimmt stereotyp die immer gleichen kleinen Kreise. Anlässlich ihrer traurigen Lebensgeschichte mahnt PETA, die Zoo-Inhaftierung von Eisbären über einen Zuchtstopp auslaufen zu lassen. Dazu ruft die Tierrechtsorganisation in einer Petition an das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium auf.

„Die Lebens- und Leidensgeschichte Larissas zeigt exemplarisch auf, wie schädlich die Haltung von Eisbären in Zoos tatsächlich ist“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Sie wurde ihr Leben lang umhergereicht. Wie die meisten Eisbären in Gefangenschaft zeigte auch Larissa deutliche Verhaltensstörungen. Es ist allerhöchste Zeit, die Eisbärenhaltung in Zoos endlich auslaufen zu lassen. Mit Artenschutz hat die Gefangenhaltung der Tiere ohnehin nichts zu tun – in Gefangenschaft geborene Eisbär-Kinder dienen lediglich als Kassenschlager, können aber nicht ausgewildert werden.“

Tierqual statt „Tierwohl“ im Tierpark Neumünster

Im April 2023 dokumentierte die Tierrechtsorganisation im Tierpark Neumünster artwidrige Haltungsbedingungen und stereotype Verhaltensweisen bei mehreren Tieren, die nach Einschätzung von PETA auf psychisches Leid hinweisen. In einem von der Tierrechtsorganisation veröffentlichten Video ist beispielsweise zu sehen, wie die Eisbärin Larissa und ihr Partner Vitus stereotyp die immer gleichen kleinen Strecken zurücklegen. Die Verhaltensstörungen der beiden Eisbären sind seit Jahren bekannt und wurden der Tierrechtsorganisation seit 2018 wiederholt gemeldet. 2021 wurden PETA zudem Aufnahmen eines offenbar ebenfalls verhaltensauffälligen Baumstachlers geschickt, der seinen Körper laut Augenzeugen mehrere Minuten stereotyp hin- und herwog. Weitere Aufnahmen zeigen auch einen Waschbären, der rastlos am Gehegezaun auf und ab geht, sowie einen apathisch wirkenden Uhu, der sich auf dem Boden sitzend hinter einem Baumstamm zusammenkauert.

Der Tierpark Neumünster sorgte während der Corona-Pandemie für Schlagzeilen, weil er androhte, Tiere „notschlachten“ zu müssen, wenn das Geld knapp würde. Um seinem Negativ-Image entgegenzuwirken, beauftragte der Tierpark 2021 eine studentische Arbeit, die sich mit einer Bewertung der Tierhaltungen befasste und offensichtlich zum erklärten Ziel hatte, einen „Nachweis“ für das vermeintliche „Tierwohl“ zu erbringen. [1]

Fachleute bestätigen: Eisbärenhaltung in Gefangenschaft nicht artgerecht möglich

Namhafte Fachleute sind überzeugt, dass Eisbären in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können. Die Diskrepanz zwischen den Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum und denen im Zoo ist zu groß. [2; 3] In freier Natur wandern Eisbären jedes Jahr Hunderte bis Tausende Kilometer. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Stereotypien. Diese werden in sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufen sichtbar. Schon mehrfach veröffentlichte PETA Videomaterial, das schwere Zwangsstörungen bei den Tieren belegt. Trotzdem werden Eisbären weiterhin in diese Leid verursachende Umgebung hineingezüchtet. Einen Beitrag zum Artenschutz leisten Zoos damit nicht, weil in Gefangenschaft geborene Eisbären nicht ausgewildert werden können. Nachzuchten in Gefangenschaft gehen außerdem mit einer hohen Jungtiersterblichkeit einher.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Lipovsek, C. (19.01.2022): Wie geht es Eisbär und Co. im Tierpark Neumünster? Peta sieht Tierwohl-Studie kritisch. SHZ. Online abrufbar unter: https://www.shz.de/lokales/neumuenster/artikel/peta-sieht-tierwohl-studie-im-tierpark-neumuenster-kritisch-20724426?noredirect=true. (13.07.2026).
[2] Clubb, R. & Mason, G. (2003). Animal Welfare: Captivity effects on wide-ranging carnivores, Nature.
[3] Klages, R. (2018): Eisbären gehören nicht in Zoos. In: Der Tagesspiegel. Online abrufbar unter: https://www.tagesspiegel.de/wissen/tierschutz-eisbaeren-gehoeren-nicht-in-zoos/20917616.html. (27.05.2025)

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