PETA erstattet erneut Strafanzeige nach Memminger Fischertag: Staatsziel Tierschutz wiegt stärker als Interesse an rücksichtsloser Unterhaltung

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Am 25. Juli hat der Fischertagsverein Memmingen e.V. den alljährlichen Fischertag veranstaltet. Bei dem Fischereiwettkampf seien rund 1200 Teilnehmende zeitgleich in den Stadtbach gesprungen und hätten 45 Minuten lang versucht, auf engstem Raum die schwerste Forelle zu fangen. Der Gewinner sei am gleichen Tag zum „Fischerkönig“ gekrönt worden. PETAs Einschätzung nach verstößt der Wettbewerb gegen § 17 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes. Hiernach macht sich strafbar, wer ohne vernünftigen Grund mindestens ein Wirbeltier tötet. Ein vernünftiger Grund für die Veranstaltung liegt nicht vor. Das Staatsziel Tierschutz wiegt schwerer als das Interesse an Unterhaltung, Wettbewerb und Spektakel auf Kosten der Tiere. Die Tierrechtsorganisation hat daher am 10. September eine Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen gegen die Veranstalter sowie alle volljährigen Teilnehmenden erstattet.

„Einmal im Jahr ist der Memminger Stadtbach voll von Menschen, die buchstäblich über Leichen gehen für eine vermeintliche ‚Tradition‘, die eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstößt“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Der Fischerkönigstitel ist jedoch keine Auszeichnung, sondern zeigt nur, dass Menschen noch immer bereit sind, Leid und Tod von Tieren in Kauf zu nehmen, die einfach nur friedlich im Bach herumschwimmen möchten.“

In einem Medienbericht ist zu sehen, wie sich Teilnehmende wiederholt ins flache Gewässer geworfen haben oder dieses mit Händen, Armen und Beinen aufwirbelten, um vermutlich dadurch die Fische in die Netze zu treiben. PETA weist darauf hin, dass dies Angst bei den Tieren auslöst und sie in Panik versetzt. Haben sich die Fische in den Netzen verheddert, wurden sie oftmals mit den Händen herumgereicht. Zudem hatten die Eimer, mit denen die Tiere zu den Tötungszelten transportiert wurden, keine Sauerstoffpumpen.

Staatsanwaltschaften bestätigen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

PETA hat durch Strafanzeigen gegen Teilnehmende von Pokal-, Hege- und sonstigen Wettangelveranstaltungen wie dem Königsfischen bereits mehrfach Sanktionen erreicht. In einem Fall zum Angelsportverein Hockenheim 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Mannheim das Verfahren zwar wegen geringer Schuld ein, merkte allerdings an, dass es sich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt: „Strafbar nach § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz. […] Angesichts des Lebensalters der Beschuldigten und ihres straffreien Vorlebens ist davon auszugehen, dass bereits die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens von der Begehung weiterer Straftaten abhalten wird.“ (Az.: 622 Js 21593/20).

Die Tierrechtsorganisation verweist zudem auf die Verfügungen der Staatsanwaltschaften Regensburg vom 21. März 2018 (Az. 103 Js 4867/18) und Würzburg vom 13. Juli 2015 (Az.: 612 Js 12165/14), Münster vom 19. März 2014 (Az.: 540 Js 1433/13) und fünf weiterer Staatsanwaltschaften, in denen ebenfalls ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Wettfischen um eine Straftat handelt – und zwar selbst dann, wenn der Fisch anschließend verzehrt wird. Die Verwertung von Fischen bei Wettangelveranstaltungen kommt nicht als „vernünftiger Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes infrage. 

Fische sind sensibel und spüren Schmerz

Fische sind neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie haben ein komplexes Sozialleben, kommunizieren auf vielfältige Weise, schließen Freundschaften und beschützen ihren Nachwuchs. [1] Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, wies bereits vor mehr als zehn Jahren in einer Stellungnahme die Bundesregierung darauf hin, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“. [2] Doch noch immer hat sich nichts verbessert für die Tiere in Memmingen. Dass Fische Schmerzen spüren, bestätigen auch internationale wissenschaftliche Studien.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Jonathan Balcombe (2016), Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser. / What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins, 336 Seiten.
[2] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

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