Nach mehreren Whistleblower-Meldungen zu Missständen in einer Rinderhaltung auf einer Weide im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat PETA Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den verantwortlichen Landwirt erstattet. Bereits im Januar erreichte die Tierrechtsorganisation ein erster Hinweis. Die Bilder zeigen ein Rind, dessen Horn beginnt, in die Stirn einzuwachsen. Ein weiteres Tier soll derart lange Klauen haben, dass dieses sich nur mühsam und unter Schmerzen fortbewegen könne. PETA informierte umgehend das zuständige Veterinäramt des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Ende April ging eine weitere Meldung bei der Organisation ein. Demnach sollen sich die Zustände auf der Weide verschlechtert haben. PETA kontaktierte wiederholt die zuständige Behörde. Diese teilte auf Nachfrage lediglich mit, dass mehrfach Kontrollen durchgeführt worden seien und die Rinder tierärztlich betreut würden.
„Wer Tiere über Monate hinweg mit einwachsenden Hörnern und schmerzhaft deformierten Klauen sich selbst überlässt, betreibt keine Landwirtschaft, sondern Tierquälerei. Dieses Leid darf nicht folgenlos bleiben und muss konsequent strafrechtlich verfolgt werden“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Egal, ob Großbetrieb oder ‚Bauer von nebenan‘ – solange Tiere als Produktionsmittel missbraucht werden, ist ihr Leiden Teil des Systems. Nur der Umstieg auf eine tierfreie Landwirtschaft kann diese Ausbeutung nachhaltig beenden.“


Einem Rind in der Haltung im Landkreis Ludwigslust-Parchim beginnt das Horn bereits, in die Stirn zu wachsen. / © PETA Deutschland e.V.

Die Klauen des Tieres sind so lang, dass eine Fortbewegung nur unter Schmerzen möglich ist. / © PETA Deutschland e.V.
Diese und weitere Bilder stehen hier zum Download zur Verfügung.
„Schnabelhufe“ und ihre körperlichen Folgen
Bei der sogenannten Klauenrehe, einer schmerzhaften Entzündung der Klauenlederhaut, können im chronischen Stadium sogenannte Schnabelhufe auftreten. Ursachen sind unter anderem Fehler bei der Nahrungsgabe oder Geburtsstress. Um dieser krankhaften Veränderung vorzubeugen, müssen Tierhalter regelmäßig die Klauen kontrollieren, kürzen und pflegen. Tiere, die lahmen, müssen tiermedizinisch versorgt werden. Bleibt diese Versorgung aus, ist das tierschutzwidrig.
Massives Tierleid mit System: Tierquälerei als Alltag der Tierwirtschaft
Immer wieder werden Aufnahmen von vernachlässigten Tieren oder anderen Misshandlungen in landwirtschaftlichen Betrieben und auf einsehbaren Weideflächen veröffentlicht. Diese Beobachtungen zeigen deutlich, dass es nicht auf die Betriebsgröße, die Haltungsform und Tieranzahl ankommt. Das Wohl des einzelnen Individuums zählt in der auf Profit ausgelegten Landwirtschaft nicht. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, angefangen bei Qualzuchten bis hin zur nicht vorschriftsmäßigen Betäubung im Schlachthaus, sind sowohl in großen als auch in kleinen Betrieben an der Tagesordnung. Ganz gleich, ob „bio“ oder konventionelle Haltung: 100 Prozent der Tiere leiden und werden getötet, lange bevor sie ihre mögliche Lebenserwartung erreichen.
PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft
Die tierhaltende Landwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. Es ist dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft nötig, um das Leben künftiger Generationen zu sichern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Strategieplan für den Ausstieg aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf. Die Tierrechtsorganisation zeigt anhand konkreter Schritte, wie der Umstieg auf veganen Ökolandbau gelingen kann – um die Zukunft von Tieren und Menschen zu sichern sowie Klimaextremen zu begegnen. Zudem präsentiert der Plan eine Strategie für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
