Jungstorch wegen Feuerwerk in den Tod geflogen? PETA erstattet Strafanzeige und appelliert an Stadt Ludwigsburg, Freizeitveranstaltungen tierfreundlich zu gestalten

ein schwer verletzter Storch, welcher mutmaßlich gegen das Fenster geflogen ist

Tierrechtsorganisation fordert bundesweites Feuerwerksverbot

Eine PETA-Mitarbeiterin erreichte am Sonntagmorgen eine Meldung zu einem verletzten Storch am RKH Klinikum Ludwigsburg. Das schwer verletzte Jungtier wurde gegen 6:30 Uhr auf einem Balkon in der 7. Etage gefunden. Sein Flügel war verletzt, beide Beine gebrochen und er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma. Das Tierheim Ludwigsburg, wohin der Jungstorch gebracht wurde, konnte nur noch sein Leiden beenden. Am Vorabend fand das Musikfeuerwerk im Blühenden Barock statt. Da sich das Krankenhaus direkt neben dem Blühenden Barock befindet und dort Medienberichten zufolge Störche nisten, besteht nach Einschätzung der Tierrechtsorganisation ein mutmaßlicher Zusammenhang. Vermutlich geriet der Jungvogel durch den Lärm und die grellen Blitze der Pyrotechnik in Panik und flog gegen das Klinikgebäude. PETA wird Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen die Verantwortlichen erstatten.

„Für ein paar Minuten Unterhaltung wird in Ludwigsburg offenbar der Tod geschützter Wildtiere billigend in Kauf genommen – das ist nicht hinnehmbar und muss umfassend aufgeklärt werden“, so Lisa Kainz, Fachreferentin bei PETA. „Feuerwerke versetzen insbesondere Wildtiere in Todesangst, was vor allem während der Brut- und Aufzuchtzeit fatale Folgen haben kann. Städte und Veranstalter müssen ihrer Verantwortung endlich nachkommen und bei Freizeitveranstaltungen konsequent auf tierfreundliche Alternativen setzen.“

ein schwer verletzter Storch, welcher mutmaßlich gegen das Fenster geflogen ist

Das Bild kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

PETA appellierte im Vorfeld in einem Schreiben an die Veranstalter des Musikfeuerwerks, beim Event auf Pyrotechnik zu verzichten und dieses stattdessen tierfreundlich zu gestalten, etwa durch Drohnen- oder Lichtshows. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken in Deutschland – privat wie öffentlich.

Wildtiere geraten durch Feuerwerkslärm in lebensbedrohlichen Stress

Insbesondere Wildtiere leiden aufgrund der lauten Feuerwerkskörper unter enormem Stress. In der Regel flüchten sie vor der extremen Geräuschkulisse. Viele Vögel weichen unter Schock in für sie ungewöhnliche Höhen aus, was mit einem erheblichen Energieverlust einhergeht. Rauchschwaden und helle Leuchtraketen können zu Desorientierung führen, ihnen die Sicht nehmen und sie blenden, sodass sie Hindernissen nicht mehr rechtzeitig ausweichen können. [1] Außerdem sehen tagaktive Vögel bei Dunkelheit generell enorm schlecht. In der Brut- und Setzzeit ist das Risiko besonders hoch, weil viele Tiere wie etwa Vögel und Eichhörnchen ihren Nachwuchs versorgen. Werden die Elterntiere in dieser sensiblen Zeit erschreckt oder verlieren sie die Orientierung, finden sie möglicherweise nicht mehr zu ihren Nestern oder Bauen zurück. Die Jungtiere leiden dann unter Durst und Hunger, bis sie schließlich sterben. [2] Auch Hunde, Katzen und viele andere tierische Mitbewohner sind großem Stress ausgesetzt.

Immer wieder kommt es durch Feuerwerk zu schwerwiegenden Unfällen mit Tieren. So starb bei „Rhein in Flammen“ im Mai 2025 ein Schwan, nachdem er aufgeschreckt in eine Hochspannungsleitung flog. Beim Feuerwerk des Wasserfestes in Leipzig im Mai 2024 wurden ein toter Vogel, zwei zertretene Eier und vier verschwundene Jungvögel festgestellt. [3]

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Shamoun-Baranes, J.; Dr. Adriaan, M.; van Gasteren, H.; van Loon, E. E.; Leijnse, H.; Bouten, W. (2011): Birds flee en mass from New Year’s Eve fireworks. Behavioral Ecology. doi:10.1093/beheco/arr102.
[2] The MIT Press Reader: The Devastating Effects of Fireworks on Pets and Wildlife. Online abrufbar unter: https://thereader.mitpress.mit.edu/the-devastating-effects-of-fireworks-on-pets-and-wildlife/. (06.07.2026).
[3]IKZ (10.03.2026): Iserlohn: Grüne sehen Tierschutz durch „Seilersee in Flammen“ gefährdet. Online abrufbar unter: https://www.ikz-online.de/lokales/iserlohn/article411423585/iserlohn-gruene-sehen-tierschutz-durch-seilersee-in-flammen-gefaehrdet.html. (06.07.2026).

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