Kaufbeuren: Pferdekutsche kippt bei Tänzelfestumzug um, zwei Kinder leicht verletzt – PETA fordert pferdefreie Veranstaltungen

Ein totes Pferd liegt neben einer Kutsche

Einer Polizeimeldung zufolge kam es gestern während des  Tänzelfestumzugs in Kaufbeuren zu einem Unfall mit einer Pferdekutsche. Die beiden Pferde sollen sich erschrocken haben, wodurch die Kutsche seitlich umkippte. Dabei seien ein sechsjähriges sowie ein siebenjähriges Kind leicht verletzt worden. Sie hatten sich den Angaben nach zusammen mit einem weiteren Kind und zwei Kutschenführern in dem Gefährt befunden. Ob ein Zusammenhang zu zwei zeitgleich auf ihren E-Scooter vorbeifahrenden Jugendlichen besteht, ist noch unklar. Angesichts dieses Vorfalls appellierte PETA heute an den Veranstalter, den Tänzelfestverein e.V. Kaufbeuren, künftig bei ihren Veranstaltungen vom Einsatz von Pferden vor Kutschen oder in sonstiger Form abzusehen. Der Verein antwortete umgehend, an dem Pferdeeinsatz festhalten zu wollen.

„Pferde laufen nicht freiwillig in Umzügen, für sie bedeutet ein solcher Einsatz hoher Stress. Zudem sind sie Fluchttiere, die leicht erschrecken und in Panik geraten. Immer wieder passieren schwere Unfälle, teils mit tödlichem Ausgang. Hinzu kommt, dass Kutschen weder über sichere Bremssysteme noch über Airbags oder eine Knautschzone verfügen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Solche Unfälle sollten zu der Erkenntnis führen, dass die Verwendung insbesondere von Pferdekutschen ein erhebliches Risiko darstellt.“

Pferde brechen immer wieder bei Umzügen zusammen und sterben
Erst im August 2025 starb ein Pferd während eines Schützenumzugs in Warendorf, die Reiterin wurde leicht verletzt. Im Juni 2025 brach beim Schützenfest in Harsewinkel ein Pferd zusammen und starb. Das 22-jährige Tier war vor eine Kutsche gespannt. PETA erstattete in beiden Fällen Anzeige beim Veterinäramt, damit die Umstände der Tode untersucht werden. Bei einem Umzug des Schützenvereins St. Sebastianus 2022 in Düsseldorf brach das Pferd Waiherr zusammen und starb noch vor Ort. Laut der ehemaligen Halterin war das Pferd zu diesem Zeitpunkt bereits 19 Jahre alt.

Immer mehr Umzüge pferdefrei
2025 entschied der Verein Sankt-Victor-Bruderschaft Xanten, keine Pferde mehr bei ihren Umzügen einzusetzen. Die Verantwortlichen der Cranger Kirmes in Herne gaben 2023 bekannt, den dazugehörigen Umzug künftig ohne Pferde zu gestalten. Ebenfalls 2023 hat der Schützenverein Warburg aus Sicherheits- und Tierschutzgründen entschieden, seine Umzüge ohne Kutschen und berittene Schützen durchzuführen. In Friedrichshafen und in Eisleben dürfen aus Sicherheitsgründen seit 2023 keine Pferde mehr bei Festumzügen mitlaufen. In Bonn werden keine Pferde mehr beim Rosenmontagsumzug eingesetzt. Das Präsidium des Festausschusses Bonner Karneval begründete die Entscheidung 2021 mit Tierwohl und Sicherheit.

39 Unfälle bei Kutschfahrten im Jahr 2025
Jährlich ereignen sich Dutzende Unfälle mit von Pferden gezogenen Kutschen. Im Jahr 2025 wurden bei insgesamt 39 Kutschunfällen in Deutschland mindestens 58 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Vier Pferde starben, mindestens acht weitere erlitten Verletzungen. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war das Erschrecken eines oder mehrerer Pferde. 2024 gab es mindestens 38 Kutschunfälle.

Tiergerechte Lebensweise wird Pferden vor Kutschen verwehrt
PETA setzt sich für ein Verbot von Pferdekutschen ein. Die sensiblen und sozialen Lauftiere möchten in einer Herde leben. Sie benötigen gute Nahrung und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Selbstverständlich sollten natürliches Sonnenlicht und frische Luft zur Verfügung stehen. Wenn diese essenziellen Haltungsvoraussetzungen nicht oder nur unzureichend gegeben sind, führt das auf Dauer zu seelischem Leid und körperlichen Beeinträchtigungen. Ein Pferd in guter Haltung kann 35 Lebensjahre und mehr erreichen.

Ein totes Pferd liegt neben einer Kutsche

Das druckfähige Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

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